Medusa
Vom 2. bis 17. September 2006 führten NATO Streitkräfte in Afghanistan eine Offensive gegen die Taliban im Süden des Landes durch. Die Offensive trug die Bezeichnung Operation Medusa. Ort der Offensive, die vorwiegend von kanadischen Streitkräften im Verbund mit afghanischen Militärs durchgeführt wurde, war die Region Panjwai und der Distrikt Zhar in der afghanischen Provinz Kandahar. Die Offensive wurde damit begründet, dass zu dieser Zeit, besonders in Kandahar, der Widerstand der Taliban enorm verschärft hatte.
Die Taliban setzen sich aus verschieden radikalen islamischen Kräften zusammen, die mittels terroristischer und militärischer Aktionen gegen die Regierung Afghanistans, die NATO Truppen im Land, aber auch das afghanische Militär, ebenso mit Repressalien gegen die Bevölkerung, in Aktion treten. Gerade die Provinz Kandahar, aber auch andere Regionen im Süden des Landes, waren zu Brennpunkten von Angriffen und zunehmenden Anschlägen von Taliban geworden. Sie hatten in diesen Gebieten stark an Truppenzahl ihrer Milizen gewonnen und unternahmen immer wieder ihrerseits offensive Angriffe. Zum ersten Mal kam im Laufe dieser Kampfhandlungen, bei den niederländischen militärischen Verbänden, die in Deutschland produzierte Panzerhaubitze 2000 zum Einsatz.
Die Operation Medusa wurde während der 15 Tage ihrer Dauer mit großer Heftigkeit geführt und forderte Opfer auf beiden Seiten der am Kampf beteiligten Kräfte. Im Verlauf der Kämpfe wurden 200 Kämpfer auf Seiten der Taliban getötet. Auf der Seite der NATO Truppen kamen insgesamt 6 kanadische, niederländische, amerikanische Soldaten, und bei einem Flugzeugabsturz 14 britische Soldaten, ums Leben. Damit waren auch bei den NATO Verbänden, die an der Offensive beteiligt waren, die Zahlen der Opfer höher als bei vormaligen Einsätzen.
Innerhalb der NATO, in Deutschland und in den Medien wurde im Nachhinein die Rolle der deutschen Truppen im Zusammenhang mit der Operation Medusa heftig debattiert. Die deutschen NATO Truppen sind vornehmlich im Norden Afghanistans stationiert und auf den Aufbau orientiert. Deutschland wurde der Vorwurf gemacht, sich nicht mit militärischen Verbänden an der Offensive beteiligt zu haben. Dies wurde teils zum Anlass genommen, von einer Unterlassung aktiver militärischer Hilfe zu sprechen. Die Bundesregierung bestritt in diesem Zusammenhang einen Vorwurf der unterlassenen militärischen Hilfeleistung. Die einzelnen strategischen Entscheidungen und ihre Hintergründe, im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen der Operation Medusa konnten jedoch in allen Punkten nie ausreichend geklärt werden.
Insgesamt führten die unterschiedlichen Auffassungen um die Operation Medusa innerhalb der in Afghanistan beteiligten NATO Staaten zu einer Reihe von Fragen des militärischen Zusammenspiels bei aktiven Kampfhandlungen und der Koordination der in Afghanistan zum Einsatz gebrachten Streitkräfte.